Projekt

Fakultät 05
+Eins
Kategorie:
Projekt
BetreuerIn:
AutorIn:
Extern/e AutorIn:
Volker Stockinger
Jahr:
2010

Plusenergiesiedlung Ludmilla-Wohnpark in Landshut

„Die Sicherstellung einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und umweltverträglichen Energieversorgung ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.“ [BMWi 2010:3] Dem Gebäudesektor kommt in der angestrebten „Energiewende“ besondere Bedeutung zu [EPBD 2010]. Der Niedrigstenenergiehaus-Standard stellt das energieeffiziente Bauen vor eine große, wenn nicht sogar die bisher größte Herausforderung. Plusenergie-Siedlungen stellen aufgrund Ihrer Kombination aus energieoptimierter Gebäudephysik und darauf abgestimmter innovativer Anlagentechnik eine interessante Möglichkeit für den Gebäudesektor in Deutschland dar, da Sie den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung mit ihrer positiven Energiebilanz unterstützen. Aus diesem Grund wurde im Forschungsvorhaben (FV) „+Eins“ (Plusenergiesiedlung Ludmilla-Wohnpark Landshut) in der Projektlaufzeit von August 2010 bis Dezember 2014 das primäre Ziel verfolgt, neue Erkenntnisse über Plusenergiesiedlungen in der realen Umsetzung zu gewinnen.

Das Intensiv-Monitoring im LWP hat deutlich gezeigt, dass der Nutzer elementaren Einfluss hat. Es zeigten sich Abweichungen im Nutzenergieverbrauch von ±100 Prozent und im Extrem mehr vom Durchschnittswert des LWP. Diese Schwankungen sind nicht auf äußere Störfaktoren, sondern ausschließlich auf das Nutzerverhalten zurückzuführen. Daraus leitet sich die Erkenntnis ab, dass eine verlässliche Voraussage des Nutzenergiebedarfs nur im Rahmen statistischer Wahrscheinlichkeiten möglich ist.

Im Rahmen soziologischer Untersuchungen wurden die Einstellung und Meinung der Nutzer über den LWP ermittelt. Das Resultat war durchweg positiv. So würden sich 95 Prozent der Befragten nochmals für den LWP entscheiden und haben das Gefühl (90 Prozent) in einem zukunftsorientierten Gebäudekonzept zu wohnen.

Im Rahmen der messtechnischen Untersuchungen stellte sich neben dem Nutzerverhalten auch das Anlagenverhalten als elementar für hocheffiziente Gebäudekonzepte heraus, denn nur bei richtigem Betriebsverhalten können komplexe Versorgungskonzepte ihre volle Effizienz erreichen. Die Einsparpotentiale durch die Optimierung des Anlagenbetriebs sind enorm. Durch Betriebsoptimierung konnten in Landshut Energieeinsparung von 20 Prozent für die Wärmeversorgung der MFH sowie 50 Prozent an Hilfsenergie realisiert werden.

Zudem dienten die Monitoring-Daten als Grundlage für die neuartige „Online-Visualisierung von Energieverbräuchen“ (O-ViVE). „O-ViVE“ verfolgte das Ziel, den Bewohnern im LWP die eigenen Nutzenergieverbräuche online bereit zu stellen und diesen die Möglichkeit zu geben, die Einflüsse des eigenen Verhaltens auf den Energieverbrauch zu analysieren und Einfluss darauf zu nehmen. Die Befragungen haben gezeigt, dass die Erwartungen der Bewohner an die Verbrauchs-Visualisierung erfüllt wurden.

Im Rahmen des FV „+Eins“ wurde im LWP ein einzigartiges „Messfeld oberflächennahe Geothermie“ mit acht unterschiedlichen Einbringungsvarianten von Erdkollektoren und mehr als 200 Messfühlern aufgebaut sowie hygrothermische Bodengutachten durchgeführt. Zudem wurde ein wissenschaftliches Rechenmodell für oberflächennahe Geothermie entwickelt. In die Simulations-Software „Delphin“ wurden hierfür der Wärmeentzug mit einem Kollektormodell, die Vereisung und ein Grundwasserströmungsmodell implementiert. Die begonnenen Forschungsarbeiten sollten in Folgevorhaben zwingend fortgeführt werden.

Aufgrund des konsequent umgesetzten Konzeptes, das sowohl die Gebäudephysik, die Gebäudetechnik, den Städtebau aber auch soziale Aspekte und die energetische Nachhaltigkeit berücksichtigt, kann die Signalwirkung des LWP und „+Eins“ ohne Zweifel als Leuchtfeuer bezeichnet werden, das bundesweit Nachahmer finden soll.

Zusammenfassend kann das FV „+Eins“ als voller Erfolg angesehen werden. Die gesteckten Ziele wurden aus Sicht des Projektbearbeiters vollumfänglich erfüllt und eine Vielzahl neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse gewonnen, die in aktuellen und zukünftigen Bauvorhaben Anwendung finden werden. Als erste positive Beispiele können bereits Bauabschnitte III + IV des LWP genannt werden, in der die Ergebnisse aus „+Eins“ Berücksichtigung fanden. Der erfolgreich begonnene Weg sollte zwingend im Rahmen weiterer Forschungsvorhaben fortgeführt werden.

Das Projekt wurde gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Vorhabenzeitraum: 01.08.2010 – 31.12.2014

In Kooperation mit: Institut für Bauklimatik, TU Dresden